Erkundung im Hochwassereinsatz

Um möglichst schnell effektive Hilfe leisten zu können, ist eine gute Erkundung die Basis für fundierte Entscheidungen. In großen Lagen sind die unterschiedlichen Akteure auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen. Dabei kann es entscheidend sein, sich breites Fachwissen geballt zusammenzuholen.

In der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift IM EINSATZ des S+K-Verlages ist ein Artikel zum Thema “Effektive Maßnahmenplanung durch strukturierte Erkundung” erschienen.

Dieser ist hier nachzulesen:

Vielen Dank an die Stumpf + Kossendey Verlagsgesellschaft für die Genehmigung der Veröffentlichung!

Schulung für Deichläufer

Vergangenes Wochenende waren wir zu Gast beim Deichverband Dormagen-Zons.

Hier hielten wir eine umfangreiche Schulung für die Deichläufer ab, die gemäß Hochwassereinsatzplan ab bestimmten, festgeschriebenen Hochwasserständen den Deich begehen, um eventuelle Schäden frühzeitig zu entdecken.

Foto: Erik Heinen/ Deichverband Dormagen-Zons

Die Teilnehmer wurden unter anderem in Maßnahmen der Deichverteidigung geschult, Aufgaben und Ausstattung der Deichläufer wurden ebenso thematisiert wie das Erkennen und Bewerten von Schäden am Deich.

Das erlernte Wissen haben die Teilnehmer anschließend in Planspielen sowie bei einer Praxisübung erprobt.

Siehe auch: Dormagen: Deichläufer sollen mögliche Schäden früh erkennen (dormago.de)

Vor 20 Jahren…

Haben wir alles falsch gemacht? Nein – wir hatten es nicht besser gewusst!von Dr. Geert Lehmann

Zeit: 17. August bis 31. August 2002

Ort: „Lauenburger Elbvorland“, der Elbedeich, rechtes Ufer, Flusskilometer 563 – 569

Kräfte: ca. 800 Helfer und Helferinnen der sieben THW Ortsverbände in Hamburg, zuzüglich 1.200 Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr

Ziel: Verhinderung eines Deichbruchs, ein Altdeich im „übelsten“ Zustand, der Neubau des Deiches ist bereits geplant, es gibt eine Bodenuntersuchung im Bauwagen vor Ort, in der Zusammensetzung inhomogen, auf 400m Länge auf einer Torfschicht stehend…

Lage: am 18. August 2002 hatte der Landkreis Herzogtum Lauenburg Katastrophenalarm ausgelöst. Es wird ein Hochwasser erwartet, dass die Höhe des vorhandenen Deiches übersteigt. Die aus Hamburg eintreffenden THW Kräfte übernehmen von der örtlichen Feuerwehr, die zuvor die knapp 7 Kilometer Deich auf Weisung sowohl mit einem Sandsackdamm erhöht hatte als auch die Außenböschung des Deiches komplett mit einer wasserdichten Folie belegte, in dem Versuch, das Wasser der heranrollenden Flutwelle zu hindern, in den Deichkörper einzudringen …

 Diese wasserdichte Folie außendeichs wurde mit Sandsäcken beschwert. Bereits auf dem rechten Foto oben sieht man „Blähungen“, Blasenbildung durch Wind, der unter die Folie drückt. Gleichzeitig ist die Folie ständig durch Treibgut gefährdet, geschlitzt zu werden.

Alsbald setzte deshalb ein „Reparaturbetrieb“ ein: Boote des THW kontrollierten und sicherten auf Treibsel und Treibgut. Taucher der Schleswig Holsteiner Polizei kontrollierten die Folie unterwasser auf Defekte, reparierten und legten Sandsäcke neu, da die eintreffende Flutwelle bei einer Steilheit der Außenböschung von 1 : 2 die Sandsäcke bei zunehmendem Auftrieb unter Wasser wie geschmiert gen Fußpunkt rutschen ließen.  

Geradezu makaber war der Versuch, durch Tape einzelne Defekte und Schnitte der Folie Zentimeter für Zentimeter abzudichten.

Foto: Dr. Geert Lehmann

Nur ein Jahr später (27.11.2003) habe ich dann in einem Vortrag in München „lessons learnt“ die These und die Ergebnisse der Studie der Uni Karlsruhe, Prof. Dr. Josef Brauns vorgetragen und vertreten:

„Keine Folien außendeichs!“  

„Der Deichkörper wird in voller Höhe mit Wasser belastet und in gleicher Weise von Wasser durchströmt wie ohne Folienabdeckung.“

Foto: Dr. Geert Lehmann

Es ging ein Raunen durch den Veranstaltungssaal. Einige, die offenbar auch ihre Daseinsberechtigung am Verlegen von Folien außendeichs und am Einsatz von Tauchern zur Sicherung derselben knüpften, versuchten zu widersprechen. In meinen Unterrichten für die Führungskräfte des THW an den THW Ausbildungszentren und in den THW Ortsverbänden zum Thema „Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ unterrichte ich dies bis heute und genauso: Keine Folien außendeichs!

Lessons learnt? Ja – und wir hatten den Deich vor 20 Jahren gehalten, trotz der Folien!

Vor 20 Jahren…

Notdeich in Dessau-Waldersee -Folienverbau im Sandsackdamm?

In diesen Tagen jährt sich eines der größten Hochwasser der Nachkriegszeit zum 20. Mal.

Es war mein erster großer Einsatz – seinerzeit noch als Helferin mit entsprechendem Blickwinkel. Heute – 20 Jahre später – würde sicherlich vieles anders laufen. Man hat gelernt, ich habe gelernt und lehre.

Hier zunächst ein Auszug aus meinem Artikel für das Jahrbuch 2002/2003 meiner Schule:

„…Dann ging es zur nächsten Einsatzstelle… bevor wir damit fertig waren, erreichte uns die Nachricht, dass am Schwedenhaus bei Waldersee ein Deich gebrochen war. Alle Einheiten im Gebiet sollten den laufenden Einsatz abbrechen und sich bei der Einsatzleitung für weitere Maßnahmen melden… Inzwischen wurde von der Einsatzleitung der Beschluss gefasst, durch das vom Wasser bedrohte Waldersee einen Notdeich zu ziehen… jede Einheit sollte eine fünfzig Meter lange Baustelle übernehmen und dort mit Hilfe von Freiwilligen einen 1,70 Meter hohen Sandsackdamm errichten. Die Zeit drängte, denn das Wasser floss mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern in der Minute auf Waldersee zu.

Etwa 50 von 170cm Höhe hat der Sandsackdamm erreicht. Gut zu sehen ist die chaotische Legeweise und die zwischen die Sandsacklagen gelegte Folie. Foto: THW Lehrte

Auf die erste Lage des Sandsackdammes sollte Folie gelegt und umgeschlagen werden, was sich später fatal auswirken sollte… Unser Abschnitt lag in der Mitte der zweieinhalb Kilometer langen Baustelle und so wurden vorn und hinten die Sandsacktransporte abgegriffen und wir hatten immer zu wenig Sandsäcke…

Das Wasser beginnt, sich am Sandsackdamm zu stauen, Landseitig sieht man ebenfalls in diesem frühen Baustadium schon Wasser – ein Indiz, dass die Sandsäcke nicht sorgfältig verlegt wurden und die Folie als wassersperrende Schicht nicht funktioniert. Foto: THW Lehrte

Es stellte sich heraus, dass der Sandsackdamm an einigen Stellen nicht dicht genug gebaut war… Zudem rutschten die Sandsäcke an manchen Stellen von der Folie, was den Sandsackdamm instabil machte… Mittlerweile war der Notdeich an so vielen Stellen instabil geworden, dass nur noch die undichten Stellen gestopft wurden.

Der Sandsackdamm ist kurz vor dem Versagen, die Sandsäcke rutschen von der Folie, Nachschub kommt nicht. Foto: THW Lehrte

Es wurde aber nicht mehr an Höhe gewonnen. [langsam wurde es dunkel] Gerade, als das Flutlicht angestellt wurde, brach der Notdeich an mehreren Stellen und alle erkannten, dass es für Waldersee keine Rettung mehr gab. Alle Einsatzkräfte wurden evakuiert…“

Sicherlich hätte diese Einsatzstelle anders koordiniert werden müssen. Die vielen Spontanhelfer waren zwar hoch motiviert, haben aber aufgrund der mangelnden Kenntnis die Sandsäcke nicht adäquat verlegt. Und binnen weniger Stunden einen zweieinhalb Kilometer langen Sandsackdamm mit einer Höhe von 1,70 Meter hochzuziehen ist selbst bei einer gut funktionierenden Logistik unmöglich.

Daneben sorgte aber vor allem der geforderte Folienverbau für das Versagen des Notdeiches.

Von einer einfachen, glatten und nassen Folie rutschen Sandsäcke (unabhängig vom Material) in der Regel sehr gut herunter, gerade auch, wenn die Sandsäcke nicht richtig verbaut werden.

Heutzutage wissen wir, dass Folie einen Sandsackdamm gut abdichtet – wenn sie korrekt verbaut wurde. Das bedeutet, die Folie eben NICHT in den Sandsackdamm einzubauen, sondern wasserseitig darüber zu legen, wenn der Sandsackdamm fertig ist. Wichtig ist, dass die Folie spannungsfrei, großzügig und möglichst ohne Falten verlegt wird, siehe Grafiken

Grafik: Miriam Herrmann
Grafik: Miriam Herrmann

Versuche haben gezeigt, dass die korrekt verlegte Folie einen Sandsackdamm nahezu abdichtet. Ohne wassersperrende Folie beträgt der Durchfluss bei einem zu 60cm eingestauten Sandsackdamm der Höhe 80cm bis zu einem Kubikmeter Wasser pro laufendem Meter. Wenn der Damm im Verbund gebaut wurde, bleibt dieser in der Regel trotzdem stabil. Man muss sich nichtsdestotrotz Gedanken machen, das durchströmte Wasser wieder zu beseitigen. Mit Folie ist dies kaum nötig.

Vor 20 Jahren…

Erstmalige Flutung der Havelpolder – von Thomas Preiß

Als sich Anfang August 2002 nach den ergiebigen Dauerniederschlägen im Einzugsgebiet und den Nebenflüssen der Elbe aus dem Erzgebirge die Hochwasserwelle Richtung Brandenburg/ Niedersachsen zu bewegt, gibt es ein durchaus historisches Ereignis.

Erstmalig, 47 Jahre nach ihrer Fertigstellung wird entschieden, die Havel-Polder zu fluten. Hierbei handelt es sich um eine einmalige kombinierte Gesamtanlage bestehend aus mehreren Wehren bzw. Wehrgruppen, die den Zufluss der Havel in die Elbe bei Havelberg reguliert.

Wie funktioniert die Anlage bei Hochwasser? Bei einem zu erwartenden Elbe Hochwasser mit einem Wasserstand von mehr als 6,80 m am Pegel Wittenberge kann über das Wehr Gnevsdorf und die Wehrgruppe Quitzöbel im Mündungsgebiet der Havel zur Elbe zunächst das unkontrollierte Einfließen der Elbe in die Havel unterbunden werden, was die Niederungen im Mündungsgebiet der Havel vor Hochwasser schützt.

Wehrgruppe Quitzöbel beim Hochwasser 2013; Foto: Steffen Bohl, Havelpolder.de

Über das Wehr Neuwerben, das geschlossen ist und erstmalig im Hochwasser 2002 geöffnet wurde, kann ein Teil der Hochwasserwelle der Elbe kontrolliert in die Havel umgeleitet werden. In der Havel allein stehen dafür 161 Mio. m³ Stauraum zur Verfügung. Reicht dies nicht aus, so wie 2002 können entlang der Havel insgesamt 8 Polder geflutet werden.
Zusammen ergibt dies einen weiteren Stauraum von 125 Mio. m³. Mit den Wehren und der Wehrgruppe können in Summe die kontrollierte Flutung von 286 Mio. m³ Stauraum gesteuert werden. Damit kann der Scheitel der Elbe um bis zu 40 Zentimeter abgesenkt werden.

Ein Staatsvertrag zwischen den Ländern Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Bund regeln heut zu Tage die Koordinierung und Abstimmung über die Havel-Polder im Hochwasserfall. Umfangreiche Sanierungen in den letzten Jahren gewährleisten, dass auch in Zukunft diese einmalige Anlage ihrer Funktion gerecht werden kann.

Die untenstehende Grafik zeigt die Auswirkungen auf den Hochwasserscheitel bei Aktivierung der Havel-Polder im August 2002.

Quelle: Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), abgerufen auf der Website www.havelpolder.de am 12.08.2022

Für mehr Informationen zu den Havelpoldern siehe:

www.havelpolder.de

Zum Ereignis Elbe Flut 2002 und den Havelpoldern siehe:

Das Hochwasser 2002 | Optimierung der Havelpolder

Zu einem Portrait der Havelpolder und einer Animation über deren Funktion siehe:

Portrait der Havelpolder | Optimierung der Havelpolder

Historisches Hochwasser: das Magdalenenhochwasser

Gerade erst jährte sich die große Hochwasserkatastrophe von Ahr und Erft zum ersten Mal. 

Ein flächigeres Ereignis feiert in diesen Tagen ebenfalls „Jubiläum“: vor 680 Jahren ereignete sich das sogenannte Magdalenenhochwasser. Es setzte weite Landstriche zwischen Rhein und Oder unter Wasser und kostete laut Überlieferungen tausende Menschen das Leben. Ursächlich hierfür war ebenfalls wie bei den Hochwassern 2002 oder 2013 eine Vb-Wetterlage.

WDR 5 hat dazu einen Hörbeitrag herausgebracht, der unter folgender Adresse aufrufbar ist:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-magdalenenhochwasser-100.html

Foto: https://undine.bafg.de/weser/extremereignisse/weser_hw1342.html

Forschung der KFS zu den Starkregenereignissen 2021 – 1 Jahr danach

Ein umfangreicher Bericht im “Disaster Research Blog” der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin beleuchtet unterschiedliche Aspekte der Hochwasserkatastrophe vom vergangenen Jahr. So wird ein objektiver Blick beispielsweise auf die Warnlage vor dem Ereignis, die Einbindung von Spontanhelfenden oder die Strukturen des Zivil- und Katastrophenschutzes geworfen.

Foto: Manó Schütt

Der Blog ist nachzulesen unter:

Forschung der KFS zu den Starkregenereignissen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 2021 – 1 Jahr danach – Disaster Research Blog (fu-berlin.de)

Lernen aus der Hochwasserkatastrophe 2021 – Ein Plädoyer für ein besseres Zusammenwirken von Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz

Ein Essay von Thomas Preiß

Die Hochwasserkatastrophe 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat im Zusammenwirken von Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz Schwächen aufgezeigt, die sich nachteilig auf den operativen Hochwasserschutz auswirkten.

Rückblickend werden die Ereignisse im Juli 2021 aus meteorologischer wie hydrologischer Sicht als ein außergewöhnliches Ereignis eingeordnet, das es lokal wie auch regional in diesem Ausmaß so noch nicht gegeben hat.

Angesichts der Außergewöhnlichkeit dieses Ereignisses stellt sich die Frage, ob hier der Katastrophenschutz bzw. der operative Hochwasserschutz an seine Grenzen kommt bzw. sogar an seine Grenzen kommen darf.

Mit Blick auf die Europäische Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie wird jedoch explizit gefordert, in die Betrachtungen auch „seltene Hochwasserereignisse“ einfließen zu lassen bzw. auch „signifikante Hochwasser der Vergangenheit“, wenn diese zu erwartbaren nachteiligen Folgen bei zukünftigen Ereignissen führen würden.

Signifikante Hochwasser der Vergangenheit waren zuweilen an der Ahr durchaus bekannt, z.B. 1804, 1888 und 1910. Auch davor um 1600 bzw. 1700 kam es zu markanten Hochwasserereignissen, von denen historische Quellen bisweilen berichten.

Was heißt das aber für den Katastrophenschutz? Welche Auswirkungen hat das auf den operativen Hochwasserschutz? Zunächst, dass es keine Grenze geben

 kann, bis zu der ein Handeln des Katastrophenschutzes erwartet werden kann. Katastrophenschutz muss auch das undenkbare Denken, muss Pläne, Konzepte vorhalten auch für den Fall eines historischen Hochwassers, wenn es dann eintritt.

Für den operativen Hochwasserschutz bedeutet dies, dass der Begriff zunächst weiter zu entwickeln ist und sich nicht allein auf ein Bündel von Maßnahmen zur Bewältigung der Hochwasserereignisse beschränken kann.

Dazu schlägt u.a. Prof. Jüppner von der Technischen Universität Kaiserslautern folgende Definition vor:

„Der operative Hochwasserschutz umfasst alle einsatzvorbereitenden und -durchführenden Maßnahmen und Planungen an der Schnittstelle zwischen Katastrophenschutz und Wasserwirtschaft mit dem Ziel, über die rein wasserwirtschaftliche Hochwasservorsorge hinaus Risiken vorzubeugen und Schäden durch Hochwasser und Starkregen zu reduzieren.“

Bisweilen konzentriert sich die wasserwirtschaftliche Hochwasservorsorge an dem politisch, technisch und finanziell umsetzbaren Möglichen. Das ist keine Kritik. Es reicht aber für den operativen Hochwasserschutz im Rahmen des Katastrophenschutzes nicht aus.

An nicht wenigen Flussläufen sind signifikante Hochwasserereignisse bekannt, die über den üblichen Bemessungsansätzen technischer Hochwasserschutzanlagen liegen. Das Wissen darum benötigt aber der Katastrophenschutz, weil es in einem Konzept zum operativen Hochwasserschutz Eingang finden muss. Welche potentiellen Risiken haben insbesondere

signifikante Hochwasserereignisse der Vergangenheit, wenn sie so in der Gegenwart passieren würden im Hinblick „auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten“.

Foto: Manó Schütt

Das wäre dann auch die Lehre aus den Ereignissen 2021. Die hier aufgetretenen Ereignisse, auch wenn es sich zu teilen um Hochwasserereignisse handelt, die statistisch alle 500 oder 1.000 Jahre auftreten, müssen in die Risikobetrachtung mit einbezogen werden.

Zu berücksichtigen ist auch, dass mitunter das Ereignis auf technische Hochwasserschutzanlagen treffen kann, denen ein Bemessungsansatz zugrunde liegt, der zwar ein gewähltes Schutzziel erfüllt, das jedoch im Rahmen des politisch, technisch und finanziell umsatzbaren liegt, aber nicht im Rahmen des potentiellen Risikos.

Mehr und bessere Informationen sind jedoch nur das eine. Das andere sind eine bessere Kommunikation und ein besseres Verständnis füreinander.

Der Katastrophenschutz ist nicht für den operativen Hochwasserschutz geschaffen. Operativer Hochwasserschutz ist nur Teil des Ganzen einer Vielzahl von Szenarien die vom Eisenbahnunglück, Hitze/ Dürre, über den Waldbrand, den Ausfall kritischer Infrastruktur bis hin zum Orkanereignis reicht. Bei allem stehen immer im Mittelpunkt die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und die wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Damit verbunden sind Entscheidungen von mitunter nicht zu unterschätzender Tragweite. Entscheidungen die auf fundierten, sachgerechten Informationen beruhen müssen, wenn die Frage im Raum steht, ob denn dem angekündigten Hochwasserereignis die Evakuierung eines ganzen Tales folgen muss.

Nach den Ereignissen in 2021 sollte im Ergebnis der Debatte das Ziel sein, wie Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz besser Zusammenwirken können und sich die Hochwasservorsorge und der operative Hochwasserschutz gemeinsam verbessern lassen.

Die Flut – Chronik eines Versagens

Mindestens 189 Menschen kamen im vergangenen Sommer bei der Flutkatastrophe ums Leben, die sich vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz abspielte. Es war eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn viele von einer Jahrtausend-Flut sprechen: Wetterexperten rechnen damit, dass sich solche Ereignisse wegen des Klimawandels künftig häufen werden. Umso wichtiger ist jetzt eine Antwort auf die Frage: Was ist damals schiefgelaufen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Reportage des Senders ARD. Betroffene kommen zu Wort und das Handeln der politisch Verantwortlichen wird durchleuchtet.

Die Sendung ist unter folgendem Link aufrufbar:

Dokus im Ersten: Die Flut – Chronik eines Versagens | ARD Mediathek

Die Nacht, als die Flut kam – Protokoll einer Flutkatastrophe

Naturkatastrophen gehören mittlerweile auch im bislang sicher geglaubten Mitteleuropa zur Realität – das hat zuletzt das Hochwasser 2021 deutlich gezeigt.

Der Sender ARTE rekonstruiert ein knappes Jahr nach der Katastrophe die Geschehnisse an der Ahr anhand von Erzählungen von Betroffenen.

Weiterhin wird der Frage nachgegangen, ob das Geschehene einfach nur ein außergewöhnliches Wetterereignis war, oder ob es auf die Klimaveränderungen zurückzuführen ist.

Foto: Miriam Herrmann

Forscher der Universität Bonn kommen zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Durch ihre Arbeit fanden sie beispielsweise heraus, dass es in der Vergangenheit zwar Ereignisse mit ähnlich hohem Abfluss gab. Dieser hat sich jedoch aufgrund der noch nicht durchgeführten Eingriffe in die flussnahe Landschaft anders ausgeprägt.

Das Video ist bis Ende September unter folgendem Link verfügbar:

https://www.arte.tv/de/videos/106167-000-A/die-nacht-als-die-flut-kam/